Page 7 - Liga-Journal für Ärzte 2012
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Prof. Costabel konnte sich dieser Meinung nicht die Therapie relevant sind, auf das Verteilungs­ 

anschließen. Pirfenidon ist zwar ein recht kleines muster der Destruktion geachtet werden. Die 
Molekül, in vitro und im Tiermodel wurde aber Frage ist, ob die Wirksamkeit der Dilatatoren 
sehr wohl die antifibrotische Wirkung nachgewie­ überhaupt etwas mit den kleinen Atemwegen zu 

sen. Auch wenn der molekulare Angriffsunkt noch tun hat. Die Interpretation ist unsicher. Neben 
unbekannt ist, wirkt die Substanz sowohl präven­ CT­Befund, Bode­Index und allgemeinem Gesund­ 
tiv als auch therapeutisch.
heitszustand spielt die kollaterale Ventilation 
sicher eine wesentliche Rolle. Beim Emphysem ist 

IQWIG sieht die FVC nicht als validierten End­ die Ventilation nicht nur atemwegsbezogen. Die 
punkt. Dem widersprach Prof. Costabel. Die FVC kleinen Atemwege sind zerstört oder membranös 
ist durchaus als valider Endpunkt zu sehen, da verändert. Es ist völlig unklar, welche Konsequen­ 

Atemnot und Lebensqualität sich verschlechtern, zen die Veränderung der Atemwege auf die 
wenn die FVC abnimmt. Es ist nicht plausibel, dass Lungenfunktion hat.
Behörden für Studien zu seltenen Erkrankungen 

höhere Standards verlangen als für Studien zu Abschließend ging es um die Wurst, nämlich die 
Volkskrankheiten.
Extrawurst für Vorschulkinder beim frühkindli­ 
chen Asthma. Die Lungenfunktion passt sich im 

Leider sind Mortalitätsstudien sehr teuer und Vorschulalter an. Die These dreimal obstruktiv 
kaum durchführbar. Neue Konzepte sind erforder­ gleich Asthma lässt sich laut Prof. Riedel so nicht 
lich.
mehr halten. Der API (Asthma Predictive Index) 
hilft das Risiko, Asthma zu entwickeln, abzuschät­ 

Das in den Capacity­Studien durchgeführte Daten­ zen. Hauptkriterien sind Asthma der Eltern und 
pooling ist nicht zu beanstanden. Bis Woche 48 atopisches Ekzem, Nebenkriterien sind allergische 
waren die Ergebnisse beider Teilstudien identisch. Rhinitis, Obstruktion ohne Infekt und Eosinophilie. 

Unter Pirfenidon kam es selten zu Therapieabbrü­ Ein Haupt­ oder zwei Nebenkriterien haben einen 
chen wegen unerwünschter Wirkungen. Prof. hohen negativen Vorhersagewert. Schwere Virus­ 
Costabel betonte, dass Pirfenidon zwar kein infekte und frühe allergische Sensibilisierung 

Wundermittel ist, jedoch ein Fortschritt und steigern das Asthmarisiko besonders wenn sie 
vielleicht der Anfang vom Anfang. Letztendlich zusammen auftreten (second­hit­Modell). Die 
wurde auch von den Behörden in Deutschland der FENO­Messung könnte helfen, Asthma zu prog­ 
Zusatznutzen festgestellt.
nostizieren. In der Summe bleibt festzuhalten, 
dass bei Schulkindern die Diagnose klar zu stellen 
Kleine Atemwege sind relevant für die Therapie ist. Bei Vorschulkindern ist die Entwicklung 
der COPD. Diese Ansicht vertrat Dr. Husemann. schlecht vorhersagbar. Obstruktive Episoden sind 

Die Überblähung der Lunge ist bereits in frühen oft transient. Frühe Sensibilisierungen, schwere 
Stadien der COPD nachweisbar und relevant. Die Infekte, die FENO­Messung, u.a. unterstützen die 
Erkrankung der kleinen Atemwege führt frühzeitig richtige Diagnosestellung. Differenzierte Diagnos­ 

zu Symptomen, die sich besonders bei Alltagsakti­ tik, Therapie und Beratung gehören in die Hand 
vitäten bemerkbar machen. Die Verluste der des pädiatrischen Pneumologen.
Lungenfunktionsparameter sind bei leichten 

Formen verhältnismäßig größer als bei fortge­ Frau Prof. Schuster führte aus, dass bei einem 
schrittener COPD. Auch dies ist ein Argument für Kind, bei dem Asthma diagnostiziert wurde, 
die frühe Behandlung. Präparate mit extrafeinen altersunabhängig die gleiche Therapie indiziert 
Partikeln dringen bis in die kleinen Atemwege vor. ist. Insofern sei keine Extrawurst für Vorschulkin­ 

Die gemessene „pre­dose­FVC“ stieg in Studien der notwendig. Asthma kann früh beginnen und 
signifikant. Es gibt Hinweise auf eine Abnahme bedarf dann ausreichender Behandlung. Allergie 
des „air­trapping“, allerdings weisen einige dieser ist sicherlich ein Risikofaktor. Die histopathologi­ 

Studien methodische Mängel auf.
schen Charakteristika von Asthma bei Erwachse­ 
nen und Schulkindern finden sich schon bei ein­ 
Die Erkrankung der kleinen Atemwege ist das bis dreijährigen. Dies sind verdickte Basalmemb­ 

zentrale pathophysiologische Merkmal der COPD. ran und erhöhte Gewebseosinophilie. Bereits im 
Sie tritt frühzeitig auf und ist frühzeitig relevant. Vorschulalter beginnt die progrediente Erkran­ 
Das Problem ist, dass die kleinen Atemwege bei kung mit ihren typischen Charakteristika. Dies 
der üblichen Therapie und Diagnostik vernachläs­ 
sind klinisch relevante Beschwerden, Abfall der 
sigt werden.
Lungenfunktion und strukturelle Veränderungen 
im Bronchialsystem. Die Diagnostik unterscheidet 
Prof. Magnussen wollte gar nicht bestreiten, dass sind bei jüngeren Kindern nicht prinzipiell von der 

bei guter Lungenfunktion extrafeine Partikel in Diagnostik im Schulalter. Es mag zwar kniffliger 
der Peripherie ankommen. Er gab jedoch zu sein, die Lungenfunktionsprüfungen bei jungen 
bedenken, dass bei fortgeschrittener COPD die Kindern durchzuführen als bei einem kooperati­ 

kleinen Atemwege weitgehend zerstört sind. Dies ven Erwachsenen. Dies entspricht aber der gene­ 
belegen CT­Aufnahmen. Es muss bei der Beant­ rellen Situation der Arbeit des Pädiaters.
wortung der Frage, ob die kleinen Atemwege für




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