Page 6 - Liga-Journal für Ärzte 2012
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Pro-Contra-Diskussion in Bad Reichenhall


Am 17. Juni, dem Sonntag des Bad Reichenhaller Antikoagulation sicher ist. Für die Lungenembolie 

Kolloquiums hatte die Deutsche Atemwegsliga liegen weniger Daten vor.
traditionell zur Pro-Contra-Diskussion eingeladen.
Voraussetzung für die ambulante Behandlung 

Im ersten Beitrag wurde darüber gestritten, ob die waren in den meisten Studien hämodynamische 
Lungenembolie ambulant behandelt werden kann. Stabilität, fehlende Kontraindikationen für nieder­ 
Die rasche Diagnose verbessert die Prognose des molekulares Heparin, fehlender Bedarf für zusätz­ 

Patienten. Deshalb sollte schon bei geringstem lichen Sauerstoff sowie Fehlen schwerwiegender 
Verdacht auf Lungenembolie die Diagnose in Begleiterkrankungen. Entscheidend ist eine gute 
einem Krankenhaus gesichert werden. Angesichts Patientenauswahl. Dann können unnötige Kran­ 
kenhausausenthalte vermieden und eine Verbes­ 
neuer Methoden zur Risikostratifikation und einer 
initial ambulant durchführbaren Therapie mit serung der Lebensqualität der Betroffenen er­ 
niedermolekularen Heparinen wird zunehmend reicht werden.
die ambulante Therapie diskutiert. Echokardiogra­ 

fische Zeichen einer rechtsventrikulären Dysfunk­ Sind neue Therapieoptionen bei idiopatischer 
tion, erhöhte natriuretische Peptide und erhöhte Lungenfibrose ein Fortschritt? Diese Frage be­ 
Troponinwerte sind Zeichen einer schlechten leuchteten Prof. Behr und Prof. Costabel. Fibrose 

Prognose. Bei fehlenden Zeichen der rechtsventri­ ist eine schwerwiegende Erkrankung, die ca. 
kulären Belastung wird die stationäre Behandlung 20.000 Patienten in Deutschland betrifft. Es gibt 
nicht mehr als zwingend notwendig empfunden.
mehr als 150 Differenzialdiagnosen. Der FEV­Ver­ 
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lust beträgt 5 bis 10 % innerhalb von 6 bis 12 
Prof. Worth stellte klar, dass die sichere Diagnose­ Monaten. Viele Patienten versterben. Seit einiger 
stellung im Krankenhaus und die Einleitung der Zeit ist Pirfenidon in Deutschland für die Behand­ 
Therapie unter stationären Bedingungen Voraus­ lung der milden bis mittelschweren Lungenfibrose 

setzungen der ambulanten Therapie sind. Die zugelassen. Aufgrund nicht eindeutiger Studiener­ 
ambulante Therapie ersetzt also keinen Kranken­ gebnisse wurde Pirfenidon in den USA die Zulas­ 
hausaufenthalt sondern verkürzt diesen lediglich sung bisher nicht erteilt. Nintedanib wird zurzeit 

um einige Tage. Die Datenlage ist nicht eindeutig, in Phase III geprüft. Weitere Substanzen werden 
so dass gegenwärtig nicht abgeschätzt werden erforscht.
kann, welche Patienten ein geringes Risiko für 

eine Reembolie bzw. eine ungünstige Prognose Der molekulare Wirkmechanismus von Pirfenidon 
haben. Deshalb kann das ambulante Management ist nicht bekannt. Pirfenidon ist ein relativ einfa­ 
einer akuten Lungenembolie nicht empfohlen ches Molekül, verschiedene Effekte wurden nach­ 

werden. Weitere Probleme sind die häusliche gewiesen. Während in der Capacity­I–Studie eine 
Kontrolle und die Therapieadhärenz vor allem in signifikante Beeinflussung der FVC gesehen 
den ersten Tagen. Die ambulante Behandlung der wurde, war dies in der Capacity­II–Studie nicht der 
akuten Lungenembolie ist also nicht zu empfehlen.
Fall. Das danach durchgeführte Datenpooling war 

nur für den Fall im Studienprotokoll vorgesehen, 
Prof. Wilkens erwiderte, dass beim Fehlen von dass beide Studien signifikante positive Ergebnis­ 
Zeichen einer rechtsventrikulären Belastung das se liefern. Prof. Behr führte weiter aus, dass nicht 

Risiko an der Erkrankung zu versterben weniger bewiesen ist, dass eine Reduktion des FVC­Abfalls 
als 1% beträgt. Eine Antikoagulation ist ausrei­ tatsächlich die Mortalität verringert. Auch der 
chend. Die stationäre Behandlung ist nach den 6­Min­Gehtest lieferte unterschiedliche Befunde in 

aktuellen Leitlinien nicht zwingend erforderlich. den beiden Capacity­Studien. Ein signifikanter 
Für Patienten mit tiefer Beinvenenthrombose ist Effekt auf die Lebensqualität ist nicht sichtbar. 
gezeigt worden, dass die ambulant durchgeführte
Demgegenüber treten relativ viele unerwünschte 
Effekte wie z.B. Photosensibilität auf.


























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