Tabaksteuer steigt: Lungenmediziner begrüßen Beschluss als wichtigen Schritt für die Gesundheit

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (20.10.2026)

Alle vier Minuten stirbt in Deutschland statistisch gesehen ein Mensch an den Folgen des Rauchens. Deshalb begrüßen die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die Deutsche Atemwegsliga (DAL) und die Deutsche Lungenstiftung (DLS) ausdrücklich die am Freitag beschlossene Erhöhung der Tabaksteuer. Für die drei Verbände ist die Entscheidung ein wichtiger Schritt, um den Tabakkonsum nachhaltig zu senken und damit schwere Erkrankungen und vorzeitige Todesfälle zu verhindern. Besonders junge Menschen könnten von den künftig deutlich höheren Preisen gesundheitlich profitieren – nämlich dann, wenn sie erst gar nicht in die Nikotinsucht geraten.

„Als Lungenmediziner erleben wir täglich, welche Folgen das Rauchen für die Betroffenen und ihre Familien hat. Viele dieser Erkrankungen entwickeln sich über Jahrzehnte und lassen sich später nur noch begrenzt behandeln“, erklärt Professor Wolfram Windisch, DGP-Pastpräsident wie auch Vorstandsmitglied von DAL. „Mit der Erhöhung der Tabaksteuer haben Bundestag und Bundesrat jetzt eine Entscheidung getroffen, die dazu beitragen kann, schwere Erkrankungen gar nicht erst entstehen zu lassen.“ Ein wichtiger Erfolg für die Prävention.

Welch enormes Gesundheitsrisiko Rauchen tatsächlich darstellt, wird Windisch nicht müde zu betonen. Der Chefarzt der Lungenklinik der Kliniken der Stadt Köln sowie Inhaber des Lehrstuhls für Pneumologie an der Universität Witten/Herdecke verdeutlicht das Ausmaß: Rund 131.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen des Rauchens. Fast jede fünfte Krebsneuerkrankung ist auf Tabakkonsum zurückzuführen. „Rauchen ist damit der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Krebs und verursacht darüber hinaus schwere Erkrankungen wie die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD und ist Mitverursacher von Herzinfarkten und Schlaganfällen“, so Windisch.

Zigaretten werden deutlich teurer – und damit weniger attraktiv

Wie wirksam höhere Tabaksteuern sein können, zeigt eine erst im Juli 2026 veröffentlichte wissenschaftliche Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Nicotine & Tobacco Research. Die Forschenden werteten 21 Studien zum Rauchverhalten junger Erwachsener zwischen 18 und 25 Jahren aus. Das Ergebnis: Höhere Tabaksteuern gehen mit sinkenden Raucherquoten, einem geringeren Zigarettenkonsum und häufigeren erfolgreichen Rauchstopps einher.

„Gerade in jungen Jahren entscheidet sich häufig, ob aus gelegentlichem Rauchen eine dauerhafte Nikotinabhängigkeit wird“, erklärt Professorin Natascha Sommer, Sprecherin der DGP-Sektion Tabakprävention und Gesundheitsfürsorge. „Die aktuelle Studienlage zeigt, dass junge Erwachsene auf höhere Preise reagieren. Das ist medizinisch besonders bedeutsam, denn je früher Menschen mit dem Rauchen aufhören, desto größer ist ihr gesundheitlicher Gewinn“, sagt die Oberärztin für Pneumologie am Universitätsklinikum Gießen.

Höhere Preise können junge Menschen vor Nikotinabhängigkeit schützen

Wie stark die Preise künftig steigen könnten, verdeutlichen die aktuellen Prognosen: Eine Schachtel mit 20 Zigaretten kostet derzeit durchschnittlich 8,05 Euro. Bereits 2027 werden es voraussichtlich 9,10 Euro sein, bis 2030 sogar 11,78 Euro. Das entspricht einem Anstieg um rund 46 Prozent innerhalb von vier Jahren. Auch in Deutschland war der Zigarettenkonsum bereits Anfang der 2000er-Jahre im zeitlichen Zusammenhang mit deutlichen Tabaksteuererhöhungen stark zurückgegangen. Bei späteren, geringeren Erhöhungen fiel der Rückgang wesentlich schwächer aus.

Gerade für Kinder und Jugendliche, die meist nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügen, können solche Preissteigerungen eine entscheidende Hürde darstellen. „Der größte Erfolg dieser Steuererhöhung wäre, wenn junge Menschen später gar nicht erst zu unseren Patienten werden“, betont Windisch. „Daran sollten wir die Entscheidung messen: nicht allein an den zusätzlichen Steuereinnahmen, sondern vor allem daran, wie viele schwere Erkrankungen und vorzeitige Todesfälle sich langfristig verhindern lassen.

Deshalb begrüßen wir die Steuererhöhung für alle Nikotinprodukte, insbesondere auch E-Zigaretten.“

Quelle: https://www.pneumologie.de/aktuelles-service/presse/pressemitteilungen/tabaksteuer-steigt-lungenmediziner-begruessen-beschluss-als-wichtigen-schritt-fuer-die-gesundheit

 

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