Interview mit Professor Christian Taube zum Welt-Lungenkrebs-Tag am 1. August
Lungenkrebs: „Es ist nie zu spät, das eigene Risiko zu senken“
(30.07.2026) Die gute Nachricht zum Welt-Lungenkrebstag: Früh entdeckt ist Lungenkrebs heute oft gut behandelbar. Auch für Menschen mit einer fortgeschrittenen Erkrankung stehen immer bessere Therapien zur Verfügung. Rund 60.000 Menschen erhalten in Deutschland jedes Jahr die Diagnose Lungenkrebs – damit gehört die Erkrankung zu den drei häufigsten Krebsdiagnosen. Ziel für die kommenden Jahre ist es, die Zahl der Neuerkrankungen deutlich zu senken und Tumore früher zu entdecken. Professor Christian Taube, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Universitätsmedizin Essen und Vorstandsmitglied der Deutschen Atemwegsliga (DAL) sowie der Deutschen Lungenstiftung (DLS), über Früherkennung, Rauchstopp und den Faktor Zeit.
Herr Professor Taube, was bedeutet es konkret, wenn Sie sagen: Früh entdeckt ist Lungenkrebs heute oft gut behandelbar?
Ganz einfach: Je früher wir die Erkrankung erkennen, desto größer sind die Behandlungsmöglichkeiten. Kleine, begrenzte Gewebeveränderungen können häufig operiert oder gezielt bestrahlt werden – und dann ist die Überlebenschance wirklich sehr gut. Aber auch bei fortgeschrittenem Lungenkrebs hat sich viel getan. Moderne Medikamente lassen sich immer genauer auf die Eigenschaften eines Tumors abstimmen.
Am liebsten wäre es Ihnen als Arzt aber, wenn jemand gar nicht erst Patient wird?
Natürlich. Unser großes Ziel für die nächsten Jahre und Jahrzehnte ist, dass deutlich weniger Menschen an Lungenkrebs erkranken. Dafür ist es vor allem entscheidend, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen – oder aber aufzuhören. Und wenn dennoch Lungenkrebs entsteht, möchten wir ihn eben sehr früh entdecken.
Lohnt sich ein Rauchstopp auch noch nach vielen Jahren?
Unbedingt. Dafür ist es nie zu spät. Der Körper beginnt schon kurz nach der letzten Zigarette, sich ein bisschen zu erholen. Generell: Je mehr und je länger man raucht, desto höher ist das Risiko für Lungenkrebs.
Warum wird Lungenkrebs noch so häufig spät entdeckt?
Weil ein Tumor in der Lunge lange wachsen kann, ohne Beschwerden zu verursachen. Viele Betroffene fühlen sich weiterhin völlig gesund.
Auf welche Warnzeichen sollte man achten?
Auf einen neu auftretenden oder veränderten Husten, blutigen Auswurf, anhaltende Heiserkeit, Luftnot, Schmerzen im Brustkorb oder einen unerklärlichen Gewichtsverlust.
Dahinter steckt aber nicht immer gleich Lungenkrebs?
Natürlich nicht. Husten und Heiserkeit haben sehr häufig andere Ursachen. Wenn solche Beschwerden jedoch anhalten oder sich deutlich verändern, sollte man sie ärztlich abklären lassen.
Hier kommt auch die neue Lungenkrebs-Früherkennung ins Spiel?
Genau. Eine CT-Untersuchung kann kleinste Veränderungen und sogenannte Rundherde in der Lunge sichtbar machen, lange bevor Beschwerden auftreten. Die meisten dieser Rundherde sind harmlos. Manche können sich jedoch als sehr früher Tumor oder als Vorstufe erweisen. Auffällige Befunde werden deshalb genau beobachtet oder weiter untersucht.
Wer kann die Früherkennung nutzen?
Das Angebot richtet sich an aktive und ehemalige Raucherinnen und Raucher zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre geraucht und dabei mindestens 15 Packungsjahre erreicht haben. Das entspricht beispielsweise zwölf Zigaretten täglich über 25 Jahre. Wer aufgehört hat, kann teilnehmen, wenn die letzte Zigarette höchstens zehn Jahre zurückliegt.
Wer möglicherweise dazugehört, wartet auf eine Einladung?
Nein, man muss selbst aktiv werden und seinen Hausarzt oder Internisten ansprechen. Dort wird zunächst geprüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Nach einer qualifizierten Beratung kann die Überweisung zur Radiologie erfolgen. Die Untersuchung ist schmerzfrei, die eigentliche Aufnahme dauert weniger als eine Minute.
Ist ein unauffälliger Befund dann ein Freibrief zum Weiterrauchen?
Nein. Ein CT kann Lungenkrebs früh erkennen, aber nicht verhindern. Und es zeigt immer nur eine Momentaufnahme. Wer für die Früherkennung infrage kommt, sollte deshalb beides nutzen: die Chance auf eine frühe Diagnose und Unterstützung beim Rauchstopp.
Bildquelle: Universitätsklinikum Essen
Service:
Die Deutsche Atemwegsliga bietet kostenlose und medizinisch validierte Informationsmaterialen, wie ein Rauchstopp gelingen kann:
www.atemwegsliga.de/tabakentwoehnung